Zschhhhh, Boing, platsch – Sicher sind Ihnen auch schon die Sounds in Erklärvideos aufgefallen, die zuweilen an die Cartoons von Warner Brothers oder an Videogames erinnern. Manchmal erscheinen sie lächerlich, manchmal einfach nur lustig und manchmal versteht man erst durch sie, was auf einer Metaebene gemeint ist. Auf alle Fälle schaffen sie eins: emotionale Ansprache. Denn Geräusche und Hintergrundmusik tragen wesentlich zum Erlebnis eines Films bei. Deshalb sind sie auch für animierte Erklärfilme so wichtig. Welche Auswirkungen gutes Sounddesign auf die Filmwirkung hat, zeigen wir Ihnen im folgenden Artikel.

Wie Klänge und Musik auf unsere Emotionen wirken

Musik & Sounds sind aus Filmen nicht weg zu denken. Sie unterstützen das Verständnis der Handlung,  beeinflussen unsere Stimmungen und wecken Erinnerungen. Aber das ist bei weitem nicht alles: Denn auditive Erlebnisse fördern auch unser Verständnis, um die gezeigten Informationen und Szenen in einen besseren Kontext für uns zu übersetzen. Zudem helfen Hörerlebnisse bessere Erinnerungsverknüpfungen im Gehirn anzulegen.

Klänge und Musik sind für uns Orientierungshilfen. Wir decodieren sie wie eine Sprache, die direkte Auswirkung auf unser emotionales Zentrum hat. Verantwortlich dafür sind Spiegelneuronen: Sie sorgen dafür, dass wir Stimmungen, die wir in Musik oder Bildern erkennen, nicht nur wahrnehmen, sondern auch auf unseren eigenen Gefühlshaushalt übertragen. Deswegen lösen bestimmte Melodien melancholische Gefühle in uns aus, schnelle Rhythmen dagegen gute Laune und Bewegungsdrang. Und es gibt noch eine Besonderheit: Die Beats des Rhythmus gehen sofort in unser Hirnstamm, wo unsere Urinstinkte und das Unterbewusstsein sitzen. Das ist auch direkt an unser emotionales Zentrum gekoppelt. So kommt es, dass wir auditive Reize schon verarbeitet haben, bevor sie in das Bewusstsein gelangen und dort mit unserem Verstand abgeglichen werden. Deswegen sind Hörreize auch einflussreicher als Sehreize, selbstwenn über den Sehnerv zehnmal mehr Informationen wahrgenommen werden. (Quelle: Fanny Jiménez, Was Filmmusik mit unseren Neuronen anstellt).

Musik und Klänge wecken aber nicht nur Stimmungen in uns. Sie haben auch physiologische Auswirkungen. Durch Musik und Geräusche verändern sich Herzschlag und Atmung, Muskelkontraktionen werden provoziert und die Haut zeigt Reaktionen wie Schwitzen oder Gänsehaut. Verantwortlich dafür ist die Verknüpfung von Hormonen, vegetativem Nervensystem und limbischen System. Die Aufgabe des Sounddesign ist daher eine anspruchsvolle: Die Szenen gekonnt miteinander verbinden, die richtigen Emotionen ansprechen und keine falschen Körperreaktionen provozieren.

 

Empirisch nachgewiesen: Durch Musik besser verstehen

Warum aber bleiben Inhalte mit Musik und Sounddesign besser im Gedächtnis? Die Wirkung von Musik auf das Unter- und Bewusstsein wurde schon früh untersucht. Die „American Audiovisual Society“ untersuchte in einer wissenschaftlichen Studie, wie sich die Verknüpfung von Bild und Ton auf die Aufnahmefähigkeit von Zuschauern auswirkt. Mit einem interessanten Ergebnis. Während Zuschauer, die nur auditive Reize erhielten, lediglich 20% der gesehenen Informationen behielten, merkten sich Zuschauer mit optischen Reizen 30%. Aber die wirkliche Überraschung: Wurden Bild und Ton verknüpft, merkten sich Zuschauer stolze 50% der Informationen!

Studienergebnisse der „American Audiovisual Society“ (Quelle: FU Berlin)

 

Bei der Stimulation verschiedener Reize werden mehr Aufnahmekanäle im Bewusstsein geöffnet. Dadurch können mehr Informationen aufgenommen werden, bewusst wie unbewusst. Das ist auch der Grund, warum wir bei easyclipr auf Multisensorik setzen – die Ergebnisse sprechen für sich.

Charakteristische Tonfolgen oder Melodien haben aber noch einen anderen Effekt: Sie können zum Markenzeichen eines Unternehmens, eines Produktes oder eines Versprechens werden. Beliebt ist das Beispiel der Titelmelodie der deutschen Telekom. Die Werbung nutzt Sounds und Melodien bewusst, um unser Assoziationsvermögen anzurgen und damit Gedächtnisanker in unsere Köpfe zu pflanzen.

Sounds und ihre Wirkung spielen jedoch nicht nur in Filmen und Werbung eine wichtige Rolle – auch beim Produktdesign! Automobilhersteller untersuchen Klang und Wirkung von Auspuffen und Bremsanlagen, Würtchenhersteller optimieren das Knachgeräusch beim Anbiss und Flaschenhersteller kreiieren ihr individuelles „plopp“-Geräusch beim Öffnen des Getränks. (Quelle: Wikipedia: Tongestaltung im industriellen Kontext). Sounds haben also einen immensen Einfluss auf unsere Wahrnehmung der Umwelt.

 

Sounddesign im Erklärfilm

Im Erklärfilm nutzen wir bewusst die Wirkung von auditiven Elementen, um im Zuschauer Emotionen zu erzeugen. Emotional angeregte Zuschauer sind offener für neue Informationen, Botschaften und Wissensinhalte. Somit fördern spezielle Sounds und Musikthemen das Verständnis des Gesehenen und unterstützen die nachhaltige Verankerung von neuen Informationen (s. auch der Artikel  Emotionen sind das halbe Leben – auch beim Lernen).

Sounddesign und Komposition sind Künste, die viel Erfahrung und eine gute Ausbildung benötigen.Die Soundeffekte haben neben der Emotionalisierung noch eine andere Funktion.  Sie sollen dem Animationsfilm mehr Natürlichkeit verleihen. Im Animationsfilm gibt es ja keine natürlichen Geräusche. Alle Töne und Klänge werden nachträglich im Studio produziert und eingefügt. Durch das Einfügen von uns bekannten, natürlichen Klängen erleben wir das Erklärvideo als „realer“. Das passiert unbewusst, hat jedoch einen immensen Einfluss auf unsere Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Bei Tätigkeiten, die wir aus der realen Welt kennen, erwarten wir unbewusst das entsprechende Geräusch zu hören. Wenn es ausbleibt wird unserem Gehirn signalisiert, dass da eine Differenz zwischen Realität und Film besteht. Der Film ist nicht echt, wir sind (unbewusst) weniger bereit, ihm Glauben zu schenken. Deswegen ist ein gutes Sounddesign im Erklärfilm essentiell wichtig.

Die Musik im Erklärfilm ist daher auch nicht nur seichtes Hintergrundrauschen. Sie hat zwar nicht diesselbe dramaturgische Funktion wie in Fernseh- und Kinofilmen. Doch sie hat trotzdem ihre Berechtigung –  um eine positive Grundstimmung durch angenehme Melodien und Akkordfolgen zu erzeugen. Bei easyclipr verwenden wir nur positive Musik – das schafft ein fröhliches Sehempfinden und sorgt dafür, dass der Film in sprichwörtlich guter Erinnerung bleibt.

 

Sounddesign und Musikkomposition verlangen viele Jahre der praktischen Erfahrung, eine gute Ausbildung und das richtige Equipment.

Profi-Sounddesign ist keine Spielerei

Sounddesign und Musik sind extrem wichtig für unsere Erklärfilme und ihre optimale Wirkung. Trotzdem gefällt es nicht jedem. Denn eine Aussage bleibt trotz aller empirischen und wissenschaftlichen Studien bestehen: Musik (und Klangempfinden) ist und bleibt Geschmackssache.

Außerdem ist professionelles Sounddesign teuer – schließlich sind da echte Experten am Werk, die sich viel Zeit nehmen und ihre langjährigen Erfahrungen einbringen. Die meisten Erklärvideos sind keine High-Budget-Produktionen, in denen man an das Sounddesign Hollywood-Ansprüche stellen kann. Deswegen greifen Agenturen oft auf einen Pool aus vorkomponierten Hintergrundmelodien und Klangeffekten zurück. Das ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern spart auch Zeit. Deswegen finden sich auch bestimmte Musiktitel einer Erklärfilmagentur in verschiedenen Projekten wieder. Wer es nicht nur emotional, sondern auch hörbar individuell in seinem Erklärfilm haben will, der sollte in ein eigenes Sounddesign investieren – es lohnt sich!

 

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